Das Streiten um Monumente bildet die fundamentale Aufgabe von Monumenten im öffentlichen Raum für die Gesellschaft. Sie sind Medium für das Führen von Diskursen über Werte und fungieren als Orte, wo Menschen zusammenkommen können, um an gesellschaftlichen Aushandlungsprozessen teilzunehmen. (1) Wenn Denkmäler entfernt oder zerstört werden, werden sie unsichtbar und sind somit für keine der Konfliktparteien im Streit um den Erhalt von Denkmälern von Vorteil. Gegner*innen von Denkmalstürzen sehen die Zerstörung als „wider geschichtlichen Versuch“ (2), die Vergangenheit umzuschreiben. Doch Vergangenheit lässt sich nicht umschreiben, lediglich die Perspektive der Erzählung kann verändert werden. Die Arbeit von Denkmalwissenschaftler*innen und Denkmalpfleger*innen macht dies deutlich: In der Denkmalpflege geht es nicht nur um die Erhaltung der materiellen Substanz historischer Objekte, sondern ebenfalls darum das Wesen des Kulturerbes kritisch zu diskutieren und die Gründe zu untersuchen, warum wir bestimmte Objekte, Orte und Praktiken für schutz- und erhaltenswürdig halten, so der britische Heritage-Forscher Rodney Harrison. (3)
Wenn man an Monumenten rüttelt, geraten auch die gesellschaftlichen und politischen Strukturen ins Wanken. Gerade als Griffflächen für dieses Rütteln sind Denkmäler gut – vorausgesetzt, sie sind noch da. (4)

(1)Ravenscroft, Tom: „The Long-Overdue Removal of Colston’s Statue is Now Part of Bristol’s History”. (2020) unter: http://www.dezeen.com/2020/06/10/the-long-overdue-removal-of-colstons-statue-is-now-part-of-bristols-history (letzter Aufruf 05.04.2023).
(2) Rauterberger, Hanno: „Ein Land im Kunstkrieg”, DIE ZEIT Nr. 35/2017(2017).
(3) ​​Harrison, Rodney: „Understanding the Politics of Heritage”, Manchester (2010).
(4) Burch-Brown, Joanna, Mitglied der 2020 vom Bristoler Bürgermeister ins Leben gerufenen History Commission, Aussage auf der Online-Buchpr.sention Contesting Histories, (abgerufen am 12.02.2023).